Jeder Energieträger muss in einem ausgewogenen und zukunftsfähigen Energiemix seinen Platz haben. Niemand kann aus heutiger Sicht sagen, wie die Energieversorgung in 50 oder 100 Jahren aussieht und welche Energieerzeugungsarten dann zur Verfügung stehen werden. Gerade deshalb müssen alle Optionen für zukünftige Generationen offen gehalten werden. Auf keine Energieform sollte aus rein politischen oder ideologischen Motiven verzichtet werden.
Es gibt viele gute Gründe dafür, dass Deutschland weiterhin auf die Kernenergie setzen sollte.
Der Ausstoß von Kohlendioxid gilt als Hauptursache für den sogenannten Treibhauseffekt, der sehr wahrscheinlich zum Klimawandel führen wird. CO2 entsteht bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Verkehr und Industrie, aber vor allem bei der Strom- und Wärmeerzeugung. Allein für die Stromerzeugung werden pro Jahr weltweit rund 8 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt. Kernkraftwerke stoßen beim Betrieb kein CO2 aus. Weltweit ersparen die Kernkraftwerke der Atmosphäre so jährlich rund 2,5 Milliarden Tonnen CO2.
Mit über 22 Prozent hat die Kernenergie einen großen Anteil an der deutschen Stromerzeugung. Wichtig für die Stromversorgung sind insbesondere die grundlastfähigen Energieträger. Grundlast heißt, es wird rund um die Uhr Strom durch das Kraftwerk bereitgestellt. Kernenergie leistet in Deutschland die Hälfte dieser Grundlastversorgung, daneben gewährleisten dies nur noch Braunkohle und Laufwasser. Ein deutsches Kernkraftwerk versorgt jährlich ca. 2,5 Millionen Haushalte mit Strom.
Eine wirtschaftliche und sichere Energieversorgung ist für eine Industrienation wie Deutschland von größter Bedeutung. Die Kernenergie trägt wesentlich dazu bei. Besonders energieintensive Unternehmen sind auf eine wettbewerbsfähige Stromversorgung angewiesen. Die politisch erwirkte Entscheidung, die Kernkraftwerke vor dem Ende ihrer technischen und wirtschaftlichen Nutzungsdauer abzuschalten, würde unsere Volkswirtschaft mit einem Betrag in Milliardenhöhe belasten.
Weltweit arbeiten Experten intensiv an der Realisierung neuer Reaktortechnologien. Zehn Staaten, darunter auch die USA, Frankreich, Japan und Großbritannien, haben dazu das Projekt „Generation IV“ ins Leben gerufen. Deutschland ist aufgrund politischer Entscheidungen an diesem Programm leider nicht direkt beteiligt. Die Weiterentwicklung der Kerntechnik ist wie bei jeder anderen technischen und wissenschaftlichen Errungenschaft von großer Bedeutung.
International ist die Kernenergie im Aufwind. Beinahe alle großen Industrieländer, aber auch große Entwicklungs- und Schwellenländer setzen auf die Nutzung der nachhaltigen Kernenergie. Ende 2007 waren 439 Kernkraftwerke weltweit im Einsatz, 32 Anlagen im Bau und rund 40 in der konkreten Planung. Der Neubau wird in zahlreichen Ländern politisch diskutiert oder bereits realisiert.